KUMPEL

Kumpel oder vierbeiniger Freund ?


Seit Jahren höre ich von Hündelerkollegen, dass der Hund ihr vierbeiniger Freund sei. Andere bezeichnen ihren Vierbeiner, als ihren Kumpel. Nun, das ist alles schön und gut und spricht für den Hundeführer, welcher sich sehr bemüht um ein gutes Verhältnis zu seinem Hund zu pflegen.

Dennoch wage ich zu behaupten, dass es sich im Allgemeinen um eine gar einseitige Freundschaft bzw. um ein einseitiges, Kumpelverhältnis, handelt, das da vorgeschoben wird. Solche „Freundschaften“ grenzen an Vermenschlichung des Tieres. Oder ist es vielleicht die fälschliche Vorstellung, einer der vielen Filmhunde zu führen, welch so unsagbar intelligent über den Bildschirm flimmern?

Ein Kumpel, bzw. ein Freund ist ein Mensch mit dem man einiges (Interessen oder Meinungen) teilt. Sind solche Interessen oder Meinungen nicht vorhanden, wird es schwierig, eine echte Freundschaft oder Kumpelei aufrecht zu erhalten. 

Auch ein Team entsteht aus gegenseitigen Vereinbarungen und Zielsetzungen. Bei der Hundeausbildung mangelt es jedoch oftmals an der fehlenden Kommunikation um das angestrebte Ziel zu definieren, da der Hund nicht mit denselben gedanklichen Grundlagen dem angestrebten Ziel entgegen eifert. Der Hund kann wohl arbeitswillig und fordernd sein, er hat jedoch als Endziel nie den Pokalgewinn, oder Ruhm und Ehre im Auge. Seine Befriedigung und seine Interessen liegen bei der Erfüllung seiner natürlichen Triebziele, welche wir uns zu Nutze machen. 

Wir lassen den Hund demzufolge seine Triebziele erreichen und werden so zum Freund des Hundes. Der Hund seinerseits führt uns über seine Triebziele zum Erfolg und wird so zum Freund des Menschen.

Jeder verfolgt für sich sein ureigenes Ziel

Nur so wird der Hundeführer zum Kumpel des Hundes. Dies jedoch auch nur, wenn er ihn nicht im Stiche lässt. Wenn er seinem Hund gegenüber ehrlich ist. Wenn er sich vom Vierbeiner auch mal fordern lässt. 

So hat der Hundeführer die Möglichkeit, sich die Triebziele seines Vierbeiners zu Nutze zu machen und dieselben in gewünschten Bahnen zu Lenken. 

Die Doktrin, das geistige Eigentum des Hundes, mit dem des Menschen zu vermengen (Vermenschlichung) funktioniert nicht. 

Weshalb behandeln wir den Hund nicht ganz einfach wie einen Hund? Wie ein Rudeltier, das geführt werden will? 

Im Rudel übernimmt allgemein das stärkste Tier die Führung. Der Hund hat sich im Laufe der Zeit zu seiner Domestikation dem Menschenrudel angeschlossen und will geführt werden. Ist dies nicht der Fall, weil das Menschlein zu schwach ist, übernimmt wohl oder übel der Hund die Führung. In der Folge fängt das Menschlein dann an, sich am Vierbeiner zu nerven. Plötzlich ist der Hund kein Kumpel mehr. Weil er nicht die gleiche Gesinnung hat wie der Zweibeiner? Woher soll er die wohl haben. Eine Kumpelei, eine Freundschaft, ein Team, all diese Begriffe basieren auf gegenseitiger Einigkeit. 

Um dem ganzen noch einen politischen Blickwinkel zu geben, muss erwähnt werden, dass der Hund die Demokratie nicht versteht, sondern sich voll und ganz von der Hirarchie leiten lässt. Das ist auch in der freien Wildbahn so.

Egal was sie mit ihrem Hund anstellen, irgendwo ist immer ein Quäntchen Zwang. Eine kleine Sequenz, in welcher wir dem Hund etwas abverlangen, ohne sogleich einen Tauschhandel einzugehen ohne unsere Position als Hundeführer verlassen zu müssen. Unser vierbeiniger Freund muss wohl oder übel Zugeständnisse machen, Kompromisse eingehen und sich unterordnen.

Eine schöne Freundschaft und eine vertiefte Liebe zum Vierbeiner entstehen. Dies Freundschaft und diese Liebe werden vom Vierbeiner gerne erwidert, weil er weiss, dass er sich bedenkenlos dem Menschlein unterordnen kann und darf, ohne gleich seine Würde zu verlieren.

Egal wie wir uns Anstellen, unsere Vierbeiner werden immer, wenn auch mit sanftem Druck, zu irgendwelchen Handlungen veranlasst.

Mein Hund ist wohl mein Freund und mein Kumpel. Dies jedoch nicht aus freiem Willen, sondern weil ich die Führung übernommen habe, welche mein Vierbeiner gerne annimmt.

Mein Hund ist und bleibt ein Hund und somit ein Rudeltier, das sich in seinem Rudel wohl fühlt. Ich danke ihm seine Freundschaft, indem ich ihm Freiheiten zugestehe, welche sein und mein Leben lebenswert machen.

Biberist, 19.03.2010 / Mumenthaler Max